Gestern Nachmittag ein Ausflug mit meiner Tochter an den Lußsee, wie schon letztes Jahr im Juli.

Diesmal ohne Stau und ohne einen Umweg gefahren zu sein.

Sie liebt diesen Kieselstrand, weil er sich ein bisschen anfühlt wie am Meer zu sein.
Der für mich nötige Schatten durch die noch jungen Bäume kam dann sehr langsam, also wurde zuerst im Wasser abgekühlt. Sauberes Wasser, nicht zu warm, nicht zu kalt, gut zum Abfrischen.

Erfrischungen, falls gewünscht. Toiletten, alles da.

Habt ihr gewusst, dass es Langnese in x Ländern gibt und überall anders heißt? Typisch ist einfach das überall gleiche Logo. Siehe…

Im Lauf des Nachmittags füllte sich der Strand, es war heiß. Alle die konnten suchten eine Abkühlung.

Ich war überrascht von der Konfrontation mit der deutschen Mentalität und entdeckte, dass ich entsprechende Mechanismen mich zu wehren auch noch drauf habe. Es ist die Mentalität, die auf Schweizer teils arrogant wirkt. Sie sind wesentlich diskreter im sozialen Umgang.

Erstes Beispiel… Als ich mich auf der Damentoilette von den nassen Badesachen befreite, hörte ich draußen einen Mann aufgebracht sagen: „Was machen Sie da?“ Der andere, ebenfalls männlich, brabbelte leise irgendwas unverständliches. Der erste fügte hinzu: „Ich hab Sie jetzt schon öfter da gesehen. Sie schauen! Noch EIN Mal, das sag ich Ihnen – und ich meld sie dem Bademeister!“ Darauf Stille. Okay, dachte ich, ein Spanner? Und entdeckte, dass die schwarze Gummifüllung zwischen Toilettentür und -trennwand einen (wie absichtlich herausgeschnittenen) Ausschnitt hatte. Später entdeckte ich in einer anderen Kabine einen ebensolchen Ausschnitt. Selbstgemachte Peepshow?

Ich bin nicht sicher, ob ich das ganz richtig einschätze. Aber in der Gegend in der Schweiz, in der ich lebe, würde sich so etwas vielleicht folgendermaßen abspielen. Der Herr, der die Beobachtung macht, schweigt dezent, macht sich seine Gedanken. Wenn es ihm zu schräg wird, spricht er – möglichst unter vier Augen – eine Aufsichtsperson an (nach der er sich vorher dezent und unaufdringlich erkundigt hat). Er sagt vielleicht etwas in dieser Art: „Es gibt hier einen Besucher, der offensichtlich Gefallen an weiblichen Formen gefunden hat. Vielleicht möchten sie ihn mal im Auge behalten?“

Zweites Beispiel… Gerade als der Schatten des Baumes, unter dem ich lag, etwas länger geworden war, kommt eine Familie mit Kind und Buggy mit Badeutensilien, knallt ein ca. 2×2 m großes Tuch mitten in den Schatten hinein, so nah neben uns, dass wir erschrocken aufspringen und unsere Handtücher weiter weg drapieren. Meine Tochter wollte ohnehin wieder in die Sonne, also tat sie das und ich daneben im Schatten.

Als die Familie – sich selbst als den Mittelpunkt der Welt betrachtend – ausgebreitet hatte und das wegen was auch immer schmollende Kind auf der Decke saß, fiel der Blick der Frau zu mir, während ich sie die ganze Zeit verwundert ob der Dreistheit und ärgerlich beobachtet hatte. Da meinte sie im Ton eines Unschuldslammes: „Wir wollten sie da nicht vertreiben. Wollten nur die Köpfe auch ein bisschen im Schatten haben.“ Die Untertreibung des Jahrhunderts. Die Köpfe… Die 2×2 m Decke samt dem Riesen-Buggy, alles stand im Zentrum des Schattens. Und wie das erste Foto zeigt, war der nicht mal eben breit. Deutsche Mentalität… Oder seht ihr das anders?

In der Schweiz hätte sich das Ganze aus meiner Sicht vielleicht so abgespielt. Die Familie mit dem Buggy wäre gekommen, hätte sich hilfesuchend nach einem Schattenplätzchen umgeschaut, es nicht gewagt den anderen zu nahe zu kommen und sich dann eventuell an einen der Rasenstrände des Sees zurück gezogen, wo es auch noch Schatten gab. Oder, das maximalste was ich mir vorstellen könnte wäre, sie hätten freundlich gefragt, ob es uns etwas ausmache, wenn sie sich hier in das kleine Stückchen Schatten platzieren (mit diskretem Abstand zu uns), tatsächlich nur mit den Köpfen im Schatten.

Erfreulicheres… Diese Kleine mit dem Rüschen-Badeanzug und dem Blümchen-Hut musste ich einfach ins Bild nehmen:

Abends einigten wir uns auf das seit längerem nicht mehr besuchte Bürgerheim und fanden gerade noch einen letzten leeren Tisch auf dem breiten Trottoir im Schatten, direkt neben der Fahrbahn der 30er Zone, wo Radler und Autos durchfuhren. Alle anderen 3 oder 4 noch leeren Tische waren bereits reserviert. Drinnen müssen sogar sämtliche Nebenräume vollends besetzt gewesen sein, denn das Personal war spürbar am absoluten Anschlag, versuchte aber trotzdem, uns so rasch und zuvorkommend wie nur möglich zu bedienen. Wir wählten „Flammkuchen Caprese“ mit Rhabarbersaftschorle (Flammkuchen dünn und cross und lecker, die Schorle na ja…, machte stumpfe Zähne und wurde von meinen Kindern, die probierten, als gefärbtes Wasser mit komischem Beigeschmack bezeichnet) und zwei Mal Schweinebraten mit Knödel und Krautsalat, dazu Zitronenlimo und Radler. Der Schweinebraten in Sauce wurde mit einem feinen Krustenstück obendrauf serviert. Jedoch erinnerten wir uns, dass es Zeiten gab, als dieser Schweinebraten noch mit zwei statt einem Knödel serviert worden war und auch das servierte Stück Fleisch schon mal größer war. Dafür sind die Preise in den letzten Jahren immer mal wieder angestiegen, inzwischen wohl insgesamt etwa 4 €. Das nennt man Optimierung, oder? Jedenfalls war es hier für den Gast schon mal optimaler, ein feines Abendessen zu genießen.

Da ich an dem Tag nachträglich meine Geburtstagsgeschenke bekam, übernahm ich die Rechnung für alle und wunderte mich – Schweizer Preise gewöhnt – immer noch über die vergleichsweise niedrige Summe von 46 Euronen irgendwas.

Und anschließend wollte ich wenigstens von der Eisdiele Eiskugeln in der Waffel zum Mitnehmen.

Der Rest des Abends verlief mit tendenziell schweren, aber auch interessanten Gesprächen und Inhalten, mit der unbefriedigenden Aussicht, dass meine Tochter heute Abend mit ein paar Freunden in ihren morgigen Geburtstag reinfeiern wird, jedoch der für sie wichtigste Gast wohl ausbleiben wird. Bei manchem kann man nicht helfen, höchstens mit Verständnis da sein und aushalten.