Als ich im Sommer 2013 meinen ersten Arbeitsplatz in der Schweiz antrat, mochte ich u.a. die zentrale Lage am Bahnhof Aarau und die Lage der Werkstatt mit meiner Graviermaschine, wo ich direkt auf den unbebauten oberirdischen Parkplatz hinaus schaute, was außerdem die Südseite des Gebäudes ist. Es war also häufig sonnig; manchmal zu sonnig, wie ich an anderer Stelle erwähnt hatte. Wir können keine Fenster öffnen und sind von der Klimaanlage abhängig. Wenn im Sommer unsere gesamte raumhohe Fensterfront sonnenbestrahlt wurde, hatten wir drin schon mal 28 Grad und mehr.

Der Parkplatz sieht aus der Vogelperspektve auf den momentan noch aufrufbaren Karten von Google Maps so aus:

Beim gelben Punkt sitze ich im EG in der Werkstatt.

Der Neubau, über den die Aargauer Zeitung hier im Jan. 2016 berichtet hatte (mit Vorschaubild), schließt direkt dort an, wo die Bahnhof Apotheke untergebracht ist und zieht sich Richtung Osten rechts an den Gleisen entlang, wo auf dem Bild noch die Autos parken.

Es handelt sich also um eine Verlängerung des 2010 eröffneten Neubaus des Bahnhofsgebäudes, das damals der modernste Bahnhof der Schweiz war, inzwischen sicher immer noch einer der modernsten.

Ich schaute also zu, wie auf der Baustelle zunächst in die Tiefe gebaggert und gebohrt wurde, scheinbar ohne Ende, mehrere Stockwerke tief (siehe Artikel der AZ vom Dez. 2016 mit Fotos aus der Baugrube, demnach hat das Gebäude 9 Stockwerke, 3 davon unterirdisch). Es dauerte ziemlich lange, bis man aus der chaotisch aussehenden Grube langsam Mauern und Stockwerkdecken herauswachsen sah.

Bis das uns gegenüber liegende und zu unserem parallel verlaufende Gebäude schließlich in die Höhe wuchs, seine Sollhöhe erreichte und die Bauarbeiten hauptsächlich innen weiter gingen.

Vor unserem Laden, durch eine schmale Fahrbahn getrennt, befand sich eine Hauptzugangsstelle für den Bau. Hier parkten unendlich viele Betonmischer und andere Nutzfahrzeuge zur Anlieferung von Material. Unendlich viel Material fand den Zugang, immer und immer wieder, das zwischen den Brettern des Bauzauns hinab gepumpt und hinein geschafft wurde.

Am 5. März 2018 schließlich die Überraschung: Sie begannen das Außengerüst am uns direkt gegenüber liegenden Bereich abzubauen…

Gar nicht soo überraschend, wenn man bedenkt, dass die Eröffnung für Mitte 2018 geplant ist.

Am 6. März 2018

Am 8. März 2018 – der Bretterzaun war inzwischen gefallen, so dass man die Reste herumliegen sah

Am 12. März 2018 – schon etwas aufgeräumt

Wie man unschwer erkennen kann, wird uns die Sonne auf keinen Fall mehr frontal erreichen, wir haben ein verspiegeltes Gebäude gegenüber.

Fotos gen Westen, Richtung des 2010 eröffneten Gebäudeteils, wo der neue Bau anschließt, am 7. März 2018

Am 8. März 2018

Am 12. März 2018

Momentan ist die Baustelle wieder bis direkt an unser Trottoire hin eingezäunt, die TG-Ausfahrt wurde verlegt. Man erreicht uns für voraussichtlich 4 Wochen nur noch zu Fuß.

Laut dem ersten oben zitierten Zeitungsartikel wird Ankermieterin aller Gewerbeflächen – rund 7000 qm – die Migros Aare sein. Sie wird im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss ihre Geschäfte betreiben. Geplant ist auch ein Gastro-Konzept, auf das ich besonders gespannt bin.

Traditionell bieten sich die beiden größten Discounter Coop und Migros stets neu Paroli.

Coop hat im Untergeschoss des Bahnhofs im Nov. 2017 seinen neuen Laden Sapori d’Italia eröffnet, der als kleines feines Mittagessen anfangs z.B. das hergab:

Ein kleines Stück Pizza mit Frischkäse, Rucola und frischen Tomaten sowie ein Gebäckstück mit gemahlenen Mandeln drin, à la Italia, zusammen im Bereich von 10 Fr., was für ein warmes Mittagessen mit Dessert in Aarau bisher kaum zu toppen ist. Inzwischen sind die angebotenen Pizzastücke weniger einfallsreich bzw. weniger mit frischen Zutaten belegt, aber immer noch fein; meist eine Sorte mit Salami, eine mit Gemüsepaprika und eine Focaccia mit Kräutern und Salz. Dieses feine Mandelgebäck habe ich leider auch schon lange nicht mehr gesehen. Das Angebot der italienischen Spezialitäten steht aber während der großzügigen Öffnungszeiten Mo – Sa 6.00 – 22.00 Uhr und So 8.00 – 22.00 Uhr zur Verfügung.

So darf zu erwarten sein, dass sich die neue Migros in den Öffnungszeiten dem Trend anpassen wird, 7 Tage die Woche geöffnet zu sein, so dass sich auch voll Berufstätige am Wochenende noch mehr als jetzt schon am Bahnhof zum Einkaufen, Verweilen und Essen aufhalten werden.

Gespannt bin ich auch auf die Parkplatzverhältnisse vor unserem Laden, wenn alles fertig ist. Direkt vor der Migros sind 6 oberirdische Parkplätze geplant, der Rest nur über die TG. That’s it.

In den oberen Geschossen des Neubaus befinden sich im übrigen moderne kleine Wohnungen, die für Pendler z.B. nach Zürich gedacht sind, die also lediglich daheim schlafen und sonst mobil mit dem ÖV viel unterwegs sind. Unter dem Label „Gleis 0 – Wohnen mit Anschluss“ kann man sie hier besichtigen.

Mich persönlich sprechen die Innenansichten der Wohnungen nicht wahnsinnig an, ich gehöre aber sicher auch nicht zum Zielpublikum 😉

Noch nicht einmal fertig ist diese große Baustelle, schon ist die nächste in unmittelbarer Nähe in Sicht, nämlich auf der hinteren Seite der Geleise, also bei der Hinteren Bahnhofstraße, siehe hier und hier.

Der WSB-Bahnhof entsteht hier ganz neu, Baubeginn Mitte 2018.

Im Moment vermag ich mir noch nicht vorzustellen, was dort tatsächlich genau hingeklotzt werden soll. Momentan gibt es scheinbar auch noch Einwendungen von Bürgern, weil angeblich nicht garantiert werden kann, dass ein historisches unterirdisches Bauwerk, der Meyersche Stollen, dabei unbeschädigt bleibt.

Es bleibt spannend in Aarau.

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