Mein Deutscher Perso sollte am 11.3.18 ablaufen. So kümmerte ich mich direkt nach Silvester drum, welche Formalitäten für einen neuen nötig wären (Verlängerung des Passes nicht möglich).

Zuständig in meinem Fall ist immer eine Behörde in der Schweiz (also ich könnte nicht nach D fahren und dort einen neuen Pass beantragen) und ohne persönliches Erscheinen geht es auch nicht. Das deutsche Konsulat in Bern schien für meine Bedürfnisse am besten zu passen. Einen Termin dafür kann man online ausmachen, was ich am 2. Januar erledigte. Der frühestmögliche Termin, der mir angeboten wurde, war der 9. April. Nun denn… Nahm ich den doch sofort.

Der Vorteil dieser langen Wartezeit zur Abgabe meines Antrags war, dass ich mich wirklich sehr genau schlau machen konnte, welche Unterlagen nötig wären, damit es danach ohne Verzögerung weiter geht. Schließlich möchte ich Mitte Juni verreisen und es wird online in Aussicht gestellt, dass es nach Antragstellung 8 – 9 Wochen dauert, bis man ihn bekommt. Läuft natürlich über D.

Ich nahm also vergangenen Montag Nachmittag arbeitsfrei und setzte mich in den Zug nach Bern.

Es wurde ein guter Ausflug, eine positive Erfahrung, hat Spaß gemacht. Mal wieder Stadt… Meine Herrn, man wird hier in der Provinz ja ganz „stiefelsinnig“ (ein Schweizer Ausdruck).

Die Heiliggeistkirche beim Bahnhofplatz:

Die Botschaft liegt in einem Viertel mit lauter alten Villen, nennt sich Elfenau und es sind dort viele Botschaften verschiedener Länder untergebracht.

Am Eingang zum Grundstück, worauf die Villa der deutschen Botschaft ist, stand ein Sicherheitsmann. Ein Schwarzer in voller Montur, schwarze Stiefel, dunkelblauer Ganzkörper-Anzug, schwarzes Käppi, sprach wunderbarstes klares Deutsch und empfing mich überaus freundlich. Er taxierte mich vorsichtig, fragte ob ich einen Termin habe und nach meinem Namen, glich das dann mit seiner Liste ab und dann durfte ich rein.

Drinnen war ein Vorraum mit einem anderen Sicherheitsmann. Der bat mich, das Handy in ein Schließfach zu legen (mit durchsichtigen Türen, wie sie manchmal im Eingangsbereich von bestimmten Läden stehen) und dann zu ihm an den Tisch zu kommen. Er schaute alles an was ich dabei hatte, alle Taschen wurden geöffnet und rein geschaut. Dann checkte er ab, was ich am Körper trug, Armbanduhr, Gürtel… Dann ging ich wie am Flughafen durch so einen mannshohen Scanner. Dahinter durfte ich meine Taschen wieder an mich nehmen, trat durch eine Glastür in den Warteraum und zog dort eine Nummer.

Insgesamt war ich etwa nach einer guten halben Stunde wieder draußen, da kann man nix sagen.

Während ich wartete, hörte ich die Gespräche an den Schaltern (waren 4 oder 5). Die Bearbeiterinnen saßen hinter Sicherheitsglas mit Mikro.

„Wozu braucht man das denn? Das ist doch alles nur Schikane.“ „Wieso denn eine Geburtsurkunde?“ usw. usw.
Steht eigentlich alles genau online, was man braucht.

Dachte mir, so eine Mitarbeiterin da drinnen hat es auch nicht leicht gut- und gleichmütig zu bleiben. Bei immer den gleichen blöden Sprüchen. Sie machen die Vorschriften ja nicht.

Ich hatte jedenfalls alles genau gelesen und vorbereitet, wie es scheint. Hatte sowohl die Originale der erforderlichen Dokumente dabei, als auch die Kopien, getrennt jeweils für den Perso und für den Reisepass in zwei Sichtmappen. Jeweils mit Foto und altem Pass drin. So hatte sie kaum was zu sagen oder fragen.

Auch auf die Tatsache, dass man die alten Pässe gleich dalassen kann und die dort entsorgt werden, war ich vorbereitet. Hätte ich sie nochmal mitnehmen wollen, hätte ich sie – bevor ich die neuen bekomme – einschicken müssen. Was die Sache in die Länge ziehen würde, was ich ja vermeiden wollte.

Als sie mir einen Ausdruck der von ihr in den PC eingegebenen Daten zum Gegenlesen und unterschreiben raus gab, fand ich dort „Geschlecht: männlich“. Und musste innerlich lachen. Als ich sie darauf aufmerksam machte, musste sie selbst lachen und sagte, das sei im Scrollmenü mal schnell verklickt, darum gäbe sie es mir ja zum Gegenlesen.

Man kann nur bar zahlen, in Schweizer Franken zum Tageskurs – und ich hab zum ersten Mal Fingerabdrücke abgegeben.

Als ich fertig war und wieder zu dem Sicherheitsbeamten im Vorraum heraus kam, sprach der mich auf meine schwarze Stofftasche mit dem Schriftzug „MÜNCHEN“ aus Strass-Steinchen an. „Sie haben eine Tasche mit München, meiner Heimatstadt. Ich sagte: „Ihre also auch? Meine auch.“

Wir wechselten ein paar Worte, bis ich sagte: „Nur bei ihnen hört man es nicht.“ Er sprach wirklich reinstes Hochdeutsch ohne jeglichen Akzent. Darauf meinte er: „Ja i konn a scho no anders“. Da waren wir beide gleich wie zu Hause.

Stellte sich raus, er kommt direkt aus Schwabing. Und war wohl schon länger nimmer in München. Er war fast etwas wehmütig, als ich sagte, meine Kinder leben noch da und ab und zu fahre ich hin.

Als ich zurück zur Bushaltestelle ging, der mich zum Bhf. bringen sollte, kam ein älteres Pärchen, die mir in der Botschaft schon aufgefallen waren. Der Mann hatte am Schalter auf die Frage, ob er den alten Ausweis inzwischen noch zum Reisen braucht, bevor der neue fertig ist, großspurig gesagt: „Nö. Ich fahr zwar demnächst nach Italien. Aber da mach ich auf Kulanz…“

Jedenfalls saß ich auf dem Wartebänkchen, die beiden mühten sich am Fahrkartenautomaten ab und kamen nicht zurecht. Bis sie in meine Richtung sagten: „Kann uns mal jemand helfen hier mit dem Automaten?“ Ich sagte: „Ich kenn mich auch nicht aus, hab meins [das Ticket] online gekauft.“ So stand eine andere Frau auf – auch eine Deutsche, die in der Botschaft war – und half ihnen. Grundsätzlich bin ich ein hilfsbereiter Mensch, aber wenn sich jemand wie der Nabel der Welt benimmt und glaubt, alles müsse ihm zu Füßen liegen… Da tat es gut auch mal einen Korb zu geben.

Der Bus fuhr unter anderem am Bundesplatz vorbei, wo mich die ständig im Wechsel aufstrebenden und wieder in sich zusammen fallenden / versiegenden Wasserfontänen fesselten.

Ich guckte im Phone, wann ein nächster Zug nach Aarau gehen würde und sah, ich werde etwa 25 Min. Zeit haben. Also suchte ich am Bhf. eine Möglichkeit mich aufzuhalten und fand ein großes Kaufhaus – das Loeb – mit Café im Eingangsbereich. Dort bestellte ich einen Kaffee und einen Apfelkuchen. Während die Bedienung alles für mich herrichtete, hörte ich das gleiche lautstarke Pärchen wieder. Der Mann besetzte sogleich den besten freien Tisch, während die Frau aufdringlich nah neben mir stand und über mein Tablett hinweg glotzte, was für mich hergerichtet wird. Am liebsten hätte sie sich vorgedrängelt und sofort bestellt. Als sie mich von der Bushaltestelle her erkannte, trat sie einen Schritt zurück und wartete doch ab, bis ich fertig bedient war.

Der Kuchen war super lecker, der Kaffee für meinen Geschmack endsbitter (was in der Schweiz wirklich selten vorkommt, vielleicht hätte ich aber auch statt eines Café Crème den üblichen Cappuccino bestellen müssen), also nahm ich nur zwei Schlucke und trank das Glas Wasser, das ich dazu bekommen hatte.

Was für mich von diesem Ausflug vor allem blieb: Manchmal tut mir Stadt einfach gut. Das sollte ich öfter mal einplanen. Einen Ausflug in die Stadt, mit Zeit und Muße…

Aber natürlich bin ich auch gespannt, wann meine neuen Pässe dann kommen…

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