Wenn ich es richtig sehe, war das hier (vor fast zwei Jahren) der letzte Beitrag, der etwas aus meinem Job zeigte.

Nicht, dass ich auf eine Weise nicht immer noch brennen würde für meine Gravurarbeiten, aber erstens wird alles mit der Zeit zu einer gewissen Routine, auch wenn dieser Job relativ abwechslungsreich ist – und zweitens sind im Laufe der Jahre gewisse Ermüdungserscheinungen meinerseits entstanden, was gewisse Rahmenbedingungen meines Jobs angeht. Das dämpfte die anfängliche Freude und Begeisterung, die ich daran hatte, mittels PC und einer Maschine Gravuren unterschiedlichster Art herstellen zu können.

Natürlich gibt es auch Gravurarbeiten, die ich gar nicht gerne mag. Das sind z.B. Gravuren in Chromstahl, weil ich mit speziell gehärteten Fräsern arbeiten muss, wegen der Härte des Materials nur sehr langsam gravieren kann und zudem macht es einen Höllenlärm, so dass ich dabei sehr gerne Ohrenschützer aufsetze. Außerdem muss ich dort mit Cutting Fett arbeiten, in mehreren Durchgängen (sich langsam in die Tiefe vorarbeiten), was zusammen mit den Spänen einen Sauerei ergibt. Solche Arbeit kommt Gott sei Dank nicht so häufig vor.

Weiters gibt es eine Bank, die für den Schalter spezielle Namensschilder bei uns bestellen. Es handelt sich um Metallwinkel, die in der Farbe des Interieurs der Bank lackiert wurden (das lassen wir machen) und danach graviere ich Namen ein und fülle diese Gravur mit Farbe; nach dem Trocknen dieser ist es etwas heikel die „überstehenden“ Farbreste mit Sprit (Spiritus) weg zu putzen, weil dadurch der Lack teils wieder angelöst wird. Wenn das gelungen ist (manchmal helfen wir mit Politur aus dem Modellbau nach, um matte Stellen wieder glänzend zu bekommen), erhalten die Winkel auf einer Seite noch aufgeklebten Filz, so dass die Tischplatte nicht verkratzt. Immer mal wieder eins dieser Schilder zwischendurch herstellen ist notwendiges Übel und zur Routine geworden. Jeweils im Sommer muss ich leider in der Regel mehr als 20 solcher Schilder auf einen Schub herstellen, mit Termin bis Ende Juli, die für die neu anzufangenden Lernenden der verschiedenen Filialen der Bank dienen, die im Herbst beginnen. In diesem Fall erhalten die Schilder leider auch noch zwei Zeilen („in Ausbildung“), was die Sache noch langwieriger und diffisiler macht. Wenn das jeweils durch ist, bin ich immer besonders froh. Diesmal hatten wir neue Winkel lackieren lassen und aus meiner Sicht war das Ergebnis relativ unschön, aber darüber muss ich hinwegsehen, es liegt nicht in meiner Verantwortung.

Jetzt aber endlich zu einer Arbeit, die insofern Freude machte, weil das Ergebnis äußerst repräsentativ ist.

Ein Architekt hat für eine neue Bebauung in meinem Dorf aus Alu ausgeschnittene Buchstaben und Zahlen gewünscht, die zusammen mit Pfeilen auf der Garagenwand aufgeklebt werden sollten. Es ist schön, wenn jemand mit leuchtenden Augen seine Idee präsentiert und fragt, ob wir das machen können und wir in der Lage sind zu bejahen. Die Freude des Kunden ist zugleich Motivation für uns.

Die Arbeit daran dauerte im Mai bis in die Zeit hinein, wo mein Chef für zwei Wochen in Urlaub ging, so dass ich dann vertreten muss, aber es war zeitlich trotzdem machbar.

Das ist ein Teil des Ergebnisses:

Daneben stehen noch die Blumen, die der Chef als vorgezogenes Dankeschön für die Urlaubsvertretung für meine Kollegin und mich hinterlassen hatte.

Als Vorlage für das Entwerfen der Beschriftung dienten solche Zeichnungen des Architekten:

Daraus entnahm ich, welche Schrift gewünscht war und wie groß die fertig ausgeschnittenen Buchstaben werden sollten (14 cm hoch) sowie welchen Platz die Beschriftung in der Breite einnehmen durfte (was dann natürlich durch die Montageperson per passendem Abstand der Buchstaben und der Zeilen zueinander noch feinjustiert werden musste).

Nun ist es relativ leicht sich vorzustellen, wie dekorativ so eine Beschriftung im fertigen Zustand aussehen kann. Was die Anfertigung praktisch bedeutet, davon erhält man einen Eindruck durch dieses Foto:

Am praktischsten ist es, zu diesem Zweck eine große Aluplatte auf der Grundfläche meiner Maschine einzuspannen, darunter liegt eine Kunststoffplatte, damit beim Ausschneiden nicht in den Maschinentisch geschnitten wird. Es wird ohne „Nase“ (Tiefenregler) gearbeitet und mit einer Art Bohr-Fräser, der ein Schneidgewinde hat, ähnlich einem Bohrer für die Bohrmaschine.

Jeden Buchstaben habe ich für sich ausgeschnitten und zwar in zwei Durchgängen. Beim ersten wird etwa die Hälfte der Tiefe eingeschnitten, beim zweiten Durchgang wird dann ganz durchgeschnitten bzw. bis in die Kunststoffplatte darunter, damit sich der Buchstabe aus der Aluplatte heraus löst. Dabei muss ich vorsichtig und mit Umsicht die Buchstaben mit den Fingern festhalten (ohne in meine Finger fräsen zu lassen), sonst würde es sie verreißen und der Rand nicht schön werden. Besondere Sorgfalt ist am Schluss angezeigt, wenn das letzte Stück Verbindung zwischen Platte und Buchstabe durchschnitten wird. Dabei verreißt der Buchstabe am leichtesten (es wirken Kräfte) und ich muss mit Konzentration und Ruhe gut halten, damit sauber abgeschnitten wird.

Es wird mit viel Sprit-Zufuhr zur Kühlung und zum Schmieren gearbeitet und was auf der Maschine zurück bleibt ist ein Gemisch aus Metallspänen und Sprit. Wenn letzterer weitgehend verdunstet ist, kann ich den Rest mit einem Besen und dem Staubsauger entfernen, so dass ich wieder eine freie Arbeitsplatte habe.

Für solche Arbeiten ziehe ich meine Arbeitsschürze an, um meine Kleider zu schützen.

Trotzdem diese Arbeit viel Konzentration braucht und eine Sauerei auf der Maschine ergibt, ist sie wegen dem Ergebnis letztendlich trotzdem befriedigend.

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