Jeder Umzug kostet Energie. Doch denken die meisten dabei in der Regel an die Energie in Form von Möbelschleppen u.ä.

Nun, mein letzter Umzug vor drei Jahren war der erste, den ich von einem Umzugsunternehmen machen ließ; das tue ich jetzt wieder. Die Kisten und Möbel werden also von anderen geschleppt.

Ich habe genug Zeitvorlauf. Wir haben Ende Januar den neuen Mietvertrag unterschrieben. Die Vormieter ziehen zum 1. April aus, die Verwaltung lässt noch ein paar kleine Schönheitsarbeiten durchführen, ab 10. April bekommen wir die Schlüssel, ab 15. bezahlen wir Miete, am 23. April zieht mein Mann ein, am 24. ich und am 29. April geben wir beide unsere separaten alten Wohnungen ab.

So kann ich mich in Ruhe vorbereiten und der größte Energieaufwand, den ich tatsächlich empfinde, ist derjenige, bewusst Altes los zu lassen und in eine neue Lebensphase zu gehen. Aus der Zeit des alleine Wohnens mit meinen Kindern gab es noch ein paar Gegenstände, die mir einmal viel bedeutet haben, diese bewusst loslassen und von den Erinnerungen trennen, die bleiben. Die Vergangenheit des zusammen Wohnens mit meinem zweiten Ehemann loslassen, von dem ich mich vor gut 5 Jahren getrennt hatte, weil es so schwierig zwischen uns geworden war, dass wir nicht mehr weiter wussten. Bewusst darauf einlassen, mit genau diesem Mann wieder in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen, jetzt, nachdem wir beide dazu gelernt haben und vieles zwischen uns geklärt werden und sich erneuern konnte. Die Vergangenheit des alleine Wohnens in der jetzigen Wohnbaugenossenschaft loslassen, wo ich mich aktiv eingebracht hatte und die verschiedensten Erfahrungen gemacht hatte.

Während ich also am Räumen bin, beschäftigen mich viele Gefühle und Gedanken, ich verabschiede das eine und heiße das andere innerlich willkommen. Angst wechselt mit Vorfreude, Ungewissheit mit Hoffnung. Es ist ein sehr bewusster Schritt und es war in meinem Leben immer so, dass ich Schritte gegangen bin, die Angst gemacht haben. Keinen davon bereue ich. Immer war es ein Vorwärts.

Es wird der 15. Umzug meines Lebens sein (übrigens das 4. Domizil in der Schweiz) und unter den verschiedenen Hausnummern, an denen ich schon gewohnt habe, wird es zum 3. Mal die Haus-Nr. 2 sein. Was immer man daraus ableiten möchte 😉 Ich leite mal gar nichts davon ab. Viel wichtiger ist mir, dass uns beiden an dem neuen Ort einfach wohl ist von seiner ganzen Lage her. Und dass uns beiden von Anfang an die neue Adresse gefiel.

In der letzten Zeit habe ich beim Lesen auf anderen Blogs Menschen gefunden, die aufgrund ihrer Kindheitserlebnisse das Zusammensein mit anderen Menschen grundsätzlich als anstrengend und Stressfaktor empfinden, z.B. wegen anhaltender Gewalterfahrungen. Ich hatte keine ganz so traumatische Kindheit, aber es lief schon einiges nicht sehr kindgerecht und nicht förderlich. Und entspanntes Zusammensein mit anderen Menschen ist mir nicht sehr vertraut. Dieser eine Mensch ist derjenige, der mich von allen am tiefsten kennt – auch aus anderen Leben (ihr dürft denken was ihr wollt, auch dass ich einen an der Klatsche habe, ich weiß für mich was ich weiß), was uns manchmal zugute kommt und sich manchmal wie das Paradies auf Erden anfühlt. Der mich aufgrund dessen aber auch an den empfindlichsten Stellen triggern kann, was uns dann nicht so zugute kommt bzw. herausfordernd ist. Insofern gehe ich in ein Abenteuer, von dem wir beide hoffen, dass wir das Beste draus zu machen vermögen und glauben, dass uns das nun gelingen kann.

(Titelfoto: pixabay)

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