Mein Chef-Ehepaar urlaubt diese Woche, das bedeutet meine gesundheitlich angeschlagene Kollegin (und Freundin) und ich halten die Stellung und machen das Nötigste zu Zweit.

Sie ist morgens parat, während ich auf jeden Fall bis zum Schluss bleibe, wenn der Laden schließt.

Die Stempelplatten-Herstellung und Gravuren liegen in meiner Hand, Rechnungen, Offerten, Versand, Kundenberatung dagegen überwiegend in ihrer.

Nicht dass es vom Arbeitsaufkommen her so stressig wäre, es ist die Präsenz und Verantwortung, die wir beide inzwischen nimmer so leicht tragen und anstrengt. Ich merke nicht nur daran deutlich, dass ich nächstes Jahr 60 werde, aber eben auch daran.

Am Dienstag hab ich das Ausliefern übernommen. Es ist nicht viel gewesen, aber mit dem Geschäftsauto den korrekten Ort zur Anlieferung beim Kantonsspital zu finden oder beim Kantonalen Steueramt in einem großen Einkaufszentrum samt der jeweiligen Parkmöglichkeit ist dann doch nicht ganz easy, wenn man da noch nie war und ich war froh, als es geschafft war.

Der Feiertag heute begann mit einem entspannenden Bad und dann war der Wald erfrischende Kraftquelle.

Morgen noch den Nachmittag in Laden/Werkstatt bestreiten, dann Wochenende und nächste Woche bin ich Gott sei Dank wieder weg von der vordersten Front.

Was mir schwer fällt ist Kunden zu bedienen, mit denen die Chemie nicht stimmt, die von oben herab sind, unmögliches wollen oder etwas, womit ich mich nicht auskenne und sie daher vertrösten muss. Ein einziger für mich unangenehmer Kunde reicht, um das Stresslevel für den Tag zu erhöhen. Ansonsten arbeite ich ganz gerne alleine vor mich hin, wenn keine unangenehmen Kunden nerven. Und es erfrischt durchaus, wenn ein netter Kunde da ist, der das schätzt was wir gemacht haben oder wie ich ihn beraten kann.

Das ist der erste Urlaub, den das Chefpaar nahm, seit meine Kollegin ab Dezember so krank war und wochenlang ausfiel. Vielleicht auch ein erster Test, ob die Vertretung klappt, bewusst in einer „leichten“ Woche mit Feiertag und erfahrungsgemäß wenig Auftragsaufkommen. Im Juli werden es dann zwei Wochen – auch mit einem Feiertag – sein, die wir so bestreiten sollen. Den Laden urlaubsbedingt zu schließen hat der Chef bisher rigoros abgelehnt. Hoffen wir es klappt alles.

Nun, wenn ich Urlaub habe, bedeutet das für die anderen auch zusätzlich Stress. Und das sind nun mal 5 Wochen pro Jahr. So wurde kürzlich geäußert, dass zwei Wochen am Stück machbar sind, mehr wenn es geht lieber nicht. Es wird auch für den Chef stressig von der Produktion her alles allein zu bewältigen, wenn ich nicht da bin. Da ich vor einem Urlaub in der Regel vorher alles Anstehende in meinem Gravur-Bereich abarbeite, kann er in der ersten Woche noch alles liegen lassen und in der zweiten Woche das eine oder andere auf die Woche danach schieben. So ähnlich läuft es auch, wenn er in Urlaub geht.

Wir werden alle nicht jünger; ich bin mit zwei Jahren Abstand die Jüngste. Das ähnliche Alter hat den Vorteil, dass alle merken wie die Spannkraft und Stressresistenz nachlässt und alles etwas beschwerlicher wird und sich nicht mehr so leicht trägt. Wenn von allen rücksichtsvoll Hand in Hand gearbeitet wird, dient es allen. Das klappt am besten zwischen meiner Kollegin und mir, ansonsten…, nun ja. Familiäre Verstrickungen und eine nicht für die anderen mitdenkende Arbeitsweise machen es nicht leichter.

Aber so wie es aussieht, ist das in zwei Jahren ohnehin Geschichte. Also bin ich im Moment ganz froh diesen Arbeitsplatz so zu haben und nehme die unangenehmeren Seiten davon mit, die überschaubar sind.

(Am 10.6.19 habe ich noch 4 Fotos hinzugefügt)

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