Der nächste Tag Mittwoch 4. Sept. versprach als einziger in der verbleibenden Woche vom Wetter her noch sonnig zu bleiben, so dass wir uns den Rundwanderweg um den Kienberg vornahmen und direkt am Hotel starteten. Der Weg beinhaltet ca. 300 Höhenmeter auf den Kienberg ins Himmelreich hinauf und hinten wieder runter.

Zunächst gingen wir vom Hotel hinunter in den Ort Pfronten über die Treppe mit den 110 Stufen, dann süd-/südwestwärts der Kienbergstraße entlang durchs Dorf.

(So ein durchsichtiger Stein wie der hier eingelassene oben im Brunnen ist im Ort an verschiedenen Stellen zu sehen. Er weist auf die Sage vom Venedigerkönig hin.)

Am Weiher vorbei …

Schließlich über die Achtalstraße drüber und dem Achtaler Achen (Fluss) westlich entlang.

Bis der Weg nach rechts wieder über die Achtalstraße drüber führte und der Gasthof Fallmühle kam.

Da der Weg im Wald am Gewässer entlang schattig und kühl war, obwohl wir uns von der Bekleidung her auf einen warmen Tag eingestellt hatten, wärmten wir uns hier bei einer Rast erst einmal in der Sonne etwas auf.

Dann kam der Aufstieg ins Himmelreich. Da wir die aus der Schweiz gewohnten super Wanderweg-Beschilderungen bereits vermisst hatten, freuten wir uns hier über ein Schild mit Zeitangabe.

Die sich jedoch – jedenfalls für uns – in keinster Weise als zutreffend erweisen sollte.
Ja, ich geb es zu, an diesem Tag war ich den Berg hinauf wie eine Schnecke unterwegs. Ich fühlte mich alles andere als fitt.

Aber irgendwann und irgendwie waren wir dann doch hinauf gekommen und machten Pause.

Als wir den Abstieg suchten und zwei Möglichkeiten sahen, kam auf dem einen Weg gerade eine 3er Gruppe herauf, die ich nach dem passenden Weg fragte. Die Frau meinte, dieser Weg sei teilweise total rutschig, da es doch viel geregnet hätte, das wäre relativ stressig. Und abwärts wäre es diesbezüglich ja immer noch etwas schwieriger als aufwärts. Das müssten wir entscheiden, aber nur damit sie es mal gesagt hat. Dabei glitt ihr Blick über meine Aufmachung im kurzen Rock (da ich aufgrund des Wetterberichts nur für kühles Wetter gepackt hatte und keine leichten Hosen dabei hatte, hatte ich mich an dem Tag kurzerhand für den Rock entschieden, der eigentlich mit Leggins gedacht war, aber nun lediglich mit Wandersocken den warmen Temperaturen gerecht werden sollte). Sie fügte noch hinzu: „Na wenigstens haben Sie Wanderschuhe an.“

Als ich fragte, ob der andere breitere Weg an den gleichen Ort hinunter führt, meinte einer der Männer, ja, das wäre der eigentliche Weg hinunter, aber aufgrund von Sperrungen käme man im Moment dort nicht durch. Deswegen seien sie auch den schmalen Weg durch den Wald herauf gekommen.

Damit war der Fall klar. Wir wagten es über den schmäleren steileren Weg durch den Wald hinunter…

Er war landschaftlich total schön, teils ganz schön steil, an manchen Stellen durchaus etwas rutschig, aber mein Mann nahm mich an den heikelsten Stellen bei der Hand, so kamen wir gut hinunter, auch wenn es anstrengte.

Und dann kam ein langes ebenes Stück der Vils entlang.

An der Vilstalstraße entlang kamen wir am Gasthaus Vilstalsäge vorbei, von dem wir schon gelesen hatten. Ein jüngeres Pärchen hat sich hier ihren gastronomischen Traum verwirklicht, kocht frisch, regional und mit wechselnder Speisekarte, weil es nichts langweiligeres gäbe als ständig das gleiche zu kochen. Wir machten spontan halt für Kuchen und etwas zu Trinken und die müden Beine ausruhen. Der Kuchen war hervorragend, auch wenn er reinhaute 😛

Danach ging es dennoch wesentlich beschwingter weil ausgeruhter weiter die Vilstalstraße entlang, bis links die Abzweigung Edelsbergweg den Berg hinauf kam, wo es zu unserem Hotel ging.

Und dann war es geschafft.

Es war wirklich warm geworden und ich fand es verdient nun die Sonnenterrasse des Hotels nutzen zu können. Mangels mitgebrachtem Bikini (nicht im Traum hätte ich daran gedacht, dass ich den brauchen könnte) tat es auch der Badeanzug im Halbschatten.

Danach dachte ich, wir fahren mit dem Auto zum Essen hinunter, auf den Füßen wären wir nun lang genug gewesen. Aber nein, wir gingen erneut zu Fuß und ich fühlte mich erstaunlich fit gegenüber dem Vormittag. Die Muskeln hatten sich erholt und es lief sich erstaunlicherweise sogar relativ leicht.

Wir gingen noch einmal in den Gasthof Adler, des schönen Wetters wegen draußen im Biergarten. Da ich das fette Pfannengröstl noch in allzu guter Erinnerung hatte, versuchte ich bewusster zu wählen und bekam das:

Kurz gesagt, der Salat war mit Kraut- und Blaukraut-Salat und anderen so sättigend, dass ich unmöglich alles schaffen konnte. Ich hörte auf, als es genug war.

Da wegen des Wetters drinnen gar nicht serviert wurde, war der Garten voll und im Verlauf des Essens wurden wir an unserem großen runden Tisch von einem Paar etwa in unserem Alter gefragt, ob sie sich dazu setzen dürften. Mit langen Blicken wurde unser Essen inspiziert und gefragt ob es gut sei. Wir bejahten beides.

Der Mann hatte auch danach durchaus Interesse sich zu unterhalten und erzählte, als seine Frau auf dem WC war, seine Frau wäre mehrfach in Davos in einer Klinik gewesen. Jedoch wussten beide – auch nachdem sie zurück war – über die Schweiz nicht so viel Gutes zu sagen, die sei ja unverschämt teuer. Ich gab zu bedenken, dass das gelte, wenn man ein deutsches Einkommen hat, aber natürlich anders aussieht, wenn man in der Schweiz verdient. Dennoch war ihnen das Thema wichtig und der Mann meinte zu wissen, warum Lebensmittel in der Schweiz (gegenüber D) so teuer wären – landwirtschaftliche Produkte würden nicht subventioniert. Mein Mann sagte, das stimme nicht, das würden sie sehr wohl. Aber ihr Unmut über Schweizer Preise blieb unverhohlen bestehen.

Nun, sobald wir aufgegessen und bezahlt hatten, suchten wir das Weite. Das Gespräch war für uns nicht unbedingt eins der angenehmen Art, das man gerne länger führt.

So ging ein ereignisreicher Tag zu Ende.

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