Vorher hab ich Wäsche zusammen gelegt. Mein Mann war nie einer, der für solche Sachen eine Frau braucht, er hat das immer selbst gemacht, ob er nun gerade in einer Beziehung gelebt hat oder nicht. Seit wir wieder zusammen wohnen und er 100% sowie teils körperlich schwer arbeitet, hat es sich aber angeboten, dass ich jetzt meistens an einem freien Nachmittag die Wäsche mache.

Da saß ich also und legte Unterhosen zusammen. Dachte bei einer, als ich sie hochhielt: Schnittig! Die hab ich tatsächlich schon lange nicht mehr bewusst an ihm gesehen. Was nicht schwer ist, denn wir haben getrennte Schlafzimmer und finden das sehr entspannend und belebend zugleich.

Während ich sie zusammen faltete – auf die Art, die er mir gezeigt hat, Mann hat seine Vorlieben – fiel mir ein Gespräch von Kolleginnen ein, das ich vor noch nicht allzulanger Zeit mitangehört hatte. Die eine hatte in einem Bekleidungsgeschäft ein gut situiertes Ehepaar im gesetzten Alter beobachtet, wo der Herr neue Unterhosen brauchte und sich rosafarbene zum Anprobieren mitgenommen hatte. Worauf die Frau der Meinung war, das gehe ja gar nicht, unauffälligere in dunklen Farben und einem anderen Schnitt für ihn aussuchte und ihm diese reichte, die schließlich auch gekauft wurden.

Die andere Kollegin erwiderte, dass ihr Mann seine Unterhosen selbst kauft, aber oft im Mehrfachpack und billig, sie sähen manchmal entsprechend aus. Weswegen sie schon mal die eine oder andere verschwinden lässt.

(Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay)

Warum in aller Welt schreibt eine Frau ihrem Mann vor, welche Unterhosen er zu tragen hat? Meiner würde sich das gar nicht gefallen lassen. Die Unterhosen-Frage, die doch eine recht persönliche ist, scheint mir dann doch einiges über den Zustand einer Beziehung auszusagen.

Wobei mir aber auch einfiel, dass ich über die Art der Unterhosen meines ersten Mannes erschrocken gewesen war, als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte. Er sagte stolz, er möge diese Art Unterhosen einfach. Es waren farbig transparente Damenunterhosen, knapp geschnitten, die er im Mehrfachpack – farblich assortiert – kaufte. Sie hielten alles an dem Platz, wo er es haben wollte. In der Tat bat ich diesen Mann recht bald, mir zuliebe doch vielleicht Herrenunterhosen zu tragen? Das tat er. Aber ich habe nie mehr drein geredet, welche Art Herrenunterhosen es sein sollten und ich war nie dabei, als er sie kaufte. Er wählte die, die er am liebsten mochte. Und die Unterhosen-Frage war nie mehr ein Thema zwischen uns.

Es ist doch erstaunlich, dass gewisse äußerlich selbstsichere Herren in guter gesellschaftlicher Stellung dann in einem Bekleidungsladen vor ihrer Frau kuschen und sich die Unterhosenmode diktieren lassen.

Was mir zum Thema noch einfällt ist, dass viele langjährige Ehefrauen, wo der Wind aus der Beziehung draußen ist oder die sich bereits getrennt haben, oft ähnliche Sprüche wie diese loslassen:

– Dann kann er seine Unterhosen selbst waschen!
– Ich möchte nie mehr für einen Mann Unterhosen waschen müssen!

Traurig eigentlich, wenn ein eingeschlafenes Sex-Leben als Anzeichen für eine festgefahrene, nicht mehr entwicklungsfähige Beziehung und die innerliche Aufgegeben-Haltung dazu sich an Unterhosen aufhängen.

Was einem beim Wäsche zusammenlegen nicht alles durch den Kopf gehen kann… 😉