Kerstins Kommentar zum Unterhosen-Beitrag führte mich an weit zurück liegende Erinnerungen.

Zuerst zu der Feinripp-Unterwäsche meines Vaters und dass ich als Kind meiner Mama öfter beim Bügeln derselben zugesehen habe. Da war der Geruch frischer Wäsche im Raum, Wärme und Fürsorge, die ansonsten in meiner Herkunftsfamilie nur über Physisches versorgt werden mit Nahrung und Kleidung stattfand, aber sich kaum in körperlich positiven Berührungen äußerte, geschweige denn in psychisch wertschätzender positiver Art.

Solange ich noch nicht in die Schule ging, hab ich auch gerne zugesehen, wenn meine Mama sich morgens ankleidete. Wenn mein Bruder in der Schule war und der Vater zur Arbeit gegangen, waren nur wir Zwei daheim. Meine Mama legte ihr Nachthemd ab, wusch sich im Bad und zog sich dann ihre Wäsche an. Ich erinnere mich sehr gut an die Halterlosstrümpfe und den Straps, den sie trug. Und wie sie die Strümpfe daran befestigte. Ich sah das immer wieder staunend, denn schließlich trug ich ausschließlich Kinder-Strumpfhosen oder Hosen. Aber so kleideten sich viele Frauen damals.

Als ich in das Alter einer jungen Frau kam, gab es längst Feinstrumpfhosen, aber wenn sie auch noch so als fortschrittlicher Segen gelobt wurden, ich konnte nicht wahnsinnig viel damit anfangen.

Auch weil ich innerhalb der Sekte zu den Zusammenkünften – wie alle Frauen dort – nur Röcke oder Kleider tragen durfte und dann eben irgendwann die kindlichen Strumpfhosen durch Feinstrumpfhosen abgelöst wurden. Die waren ja zunächst vor allem braun. Ich mochte ihre braune Farbe zusammen mit dem Material nicht.

Bis ich später bei einer Frau sah, dass es sie auch in hellen, perlmuttartigen Farben gibt. Das wurden meine Lieblings-Feinstrumpfhosen, wenn ich schon welche tragen musste. Sobald ich aber konnte, hörte ich überhaupt auf derartige Strumpfhosen zu tragen. Das war, als ich die Zeugen Jehovas verlassen hatte.

Die chiceren Varianten sah ich erst später.

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Aber ich fand für mich einfach keinen Grund mehr, solche Strumpfhosen zu tragen, die weder wärmten noch sonst einen Sinn zu haben schienen. Ausser vielleicht schwarze als Reizwäsche, aber das ist ein anderes Thema.

Offensichtlich tragen sogar Punks derartige Strümpfe, die für ihren gesellschaftlichen Protest stehen.

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Vor zwei Jahren kaufte ich mir zum Jubiläums-Festakt der Wohnbaugenossenschaft, wo festliche Kleidung gewünscht wurde und wo ich als Mitglied des Organisationskomitees an der Vorbereitung mitgewirkt hatte, zu einer schwarzen Hose schwarze Ballerinas und schwarze Socken aus Feinstrumpf-Gewebe. Da passte es einfach.

Seitdem verweilt aber die Hose samt den Ballerinas und den Söckchen im Schrank, ohne je wieder angerührt worden zu sein. Mein Gedanke beim Aufräumen dieser Kleidung war: Wer weiß, vielleicht kann ich sie noch einmal zu einer Beerdigung brauchen.

Ich fürchte das Tragenmüssen von Röcken / Kleidern sowie Feinstrumpfhosen hat mir die Freude daran weitgehend verdorben. Obwohl ich mich heute ganz gern auch mal wieder weiblich chic anziehe, trotzdem es selten Gelegenheiten in meinem Alltag gibt, wo das passt.

Aber es gibt noch einen anderen gewichtigen Grund, nicht gerne Feinstrumpfhosen zu tragen. Ich bin mit stark behaarten Beinen „gesegnet“. Im Sommer trage ich gerne leichte Röcke und Kleider und rasiere die Beine. Über den Winter bin ich jeweils froh nicht ständig rasieren zu müssen und mich unten rum warm einpacken zu können. Feinstrumpfhosen – wozu? Höchst unbequem!

Ich war auch meist mit Frauen befreundet, die es ähnlich damit halten wie ich. Die sich eher leger und in Hosen / Jeans kleiden, denn als Damen.

Natürlich hängt das Thema damit zusammen, wie man mit seiner Rolle als Frau umgeht. Ob es dort Verletzungen gibt oder eben Zwang zu einer bestimmten Art diese Rolle zu leben. Wieweit eine Frau sich davon frei machen konnte, wie versöhnt sie mit ihrem Frausein ist. Ich zog offensichtlich Frauen an, die wie ich mit der aufgezwungenen Frauenrolle ihre Mühe hatten und daher eher ins Gegenteil schlugen.

Dieser Herbst ist seit langer Zeit wieder der erste, wo ich mir freiwillig einen kurzen Rock und ein Kleid für kühlere Temperaturen kaufte, jedoch für die Wärme mit Leggins und Chelsea-Boots.

Für mich ist es wichtig mich jeweils so zu kleiden wie ich mich fühle. Die morgens gewählten Kleider müssen in Farbe, Bequemlichkeit und Aussehen dem entsprechen, wie meine Stimmung an dem Tag ist. Wenn ich Rock / Kleid tragen mag, dann nur an Tagen wo ich mich geborgen und in mir sicher fühle.

Wie haltet ihr es damit, das würde mich jetzt doch schon interessieren.