Seit vielen Jahren hatte ich die Angewohnheit, in meiner Freizeit beim Sitzen das linke Bein unterzuhaken. Ich kann mich an den genauen Zeitpunkt nicht mehr erinnern, als ich damit angefangen habe, aber entweder war es bereits als Kind oder aber als Jugendliche.

Ungefähr im Frühling 2017 fing mein linkes Knie an ein bisschen zu mucken. Als ich gerade in München zu Besuch war, so auf einer Couch gesessen hatte und aufstand, merkte ich: „Aua, das Knie tut weh.“ Von da an nahmen die Beschwerden langsam aber stetig zu, wurden häufiger und stärker, obwohl ich inzwischen nicht mehr auf dem linken Bein saß.

Eine Woche Urlaub im Sept./Okt. 2017 am Meer ließ die Beschwerden zwar verschwinden; danach im Alltag kehrten sie aber zurück. Ich kaufte mir eine Faszienrolle und bearbeitete das linke Bein abends beim Fernsehen damit. Ich massierte die verhärteten Muskelpartien des Beins, die das Knie einseitig „verzogen“. Aber alles half nur vorübergehend und kurzfristig.

Als ich im Juli 2018 in Zypern im Urlaub war, gingen die Beschwerden nicht wie erhofft wieder weg, sondern hielten an und ich erinnere mich an eine ca. 1stündige Fußwanderung am Abend in die nächste Stadt zum Abendessen und Flanieren und danach genauso lang zurück, wo ich mit Flip Flops unterwegs war und danach richtig fertig war vor Schmerzen.

Im September 2018 wieder am Meer war es so schlimm geworden, dass ich von mancher Strandwanderung ziemlich fertig mit Schmerzen zurück kam und trotz des Versuchs, für ca. eine Woche mit regelmäßiger Einnahme von Ponstan / Mefenacid die vermutete Entzündung weg zu bekommen, kamen die Schmerzen immer wieder durch und ich konnte bald nur noch mit Schmerzen gehen.

Während meines Workshops im November 2018 saß ich fast eine Woche den ganzen Tag überwiegend entspannt und konnte die Beine hochlegen. Außerdem war der Versuch gemacht worden, eine Innenweltreise zum Thema Knie zu wagen. Die Schmerzen vergingen. Als ich in den Alltag zurückkehrte, waren sie jedoch wieder da.

Einfach zum Arzt gehen und abklären lassen… Da stand mir einerseits die Sache mit der Art der Schweizer Krankenversicherung im Wege und welche Version davon ich für mich gewählt habe (Selbstbehalt 2500 Fr. pro Jahr, sie greift also erst danach), außerdem aber auch meine Erfahrung des Schulterproblems 2014 / 2015 sowie eine grundsätzliche Abneigung gegenüber schulmedizinischer Vorgehens- und Sichtweise. Als ich wegen der Schulter damals letztlich beim Arzt war, ließ sich nicht erkennen, woher die Beschwerden kämen. Es gab weder degenerative Veränderungen oder im Röntgen sichtbare Verletzungen, noch war im Blutbild irgend etwas auffällig.

Was zur Hölle könnte also mit meinem Knie los sein?

Im Dezember 2018, als die Verzweiflung deswegen mal wieder besonders groß war, fiel mir plötzlich TCM ein. Und ich fragte mich selbst, warum ich nicht den alternativen Weg suche, wenn ich erstens sowieso den Beginn einer Behandlung selbst bezahlen müsste und zweitens dem schulmedizinischen Ansatz nicht traue und in meinem Fall auch nicht unbedingt für eine kluge Lösung hielt.

Außerdem fiel mir ein, wie meine Mama, als ich Jugendliche war, wegen ihrer zunehmenden Migräne und ein paar Mal Morphiumspritzen während des Hausbesuchs unseres Arztes schließlich den Heilpraktiker aufsuchte. Sie hatte sinngemäß gesagt: „Das geht so nicht weiter, ich muss da etwas machen“. Damit meinte sie eine echte Lösung und nicht nur Schmerzmittel. Ihr wurde geholfen!

Also suchte ich eine TCM-Praxis von Chinesen auf, die von Vater und Sohn betrieben wird und bezahlte erst einmal pro Sitzung mit Tuina-Massage, Schröpfen und Akupunktur 150.- Fr. selbst.

(Schröpfmale, an der Art ihres Aussehens kann der TCM-Arzt verschiedenes ablesen,
Foto von pixabay)

Die Einschätzung nach dem Eingangs-Gespräch und vor der ersten Behandlung lautete so: Ein Kniegelenk vertrage es normalerweise, dass man untergehakt drauf sitzt. Vielleicht wäre ich einmal schnell aufgestanden oder hätte eine plötzliche Bewegung gemacht ohne aufgewärmt zu sein, so dass eine Mini-Verletzung mit Blockierung des Kniegelenks entstand, die dann nicht mehr gelöst wurde. Dazu käme ein bestimmter geschwächter Meridian mit Verschleimung der unteren Körperhälfte (Zungendiagnose), was die Sache zusätzlich erschwert. U.a. müssten die Meridiane wieder ins Fließen gebracht werden, so dass der Schleim abgebaut werden kann. Ein Hype auf Zucker (tja) wäre übrigens ein typisches Symptom für die Schwächung dieses Meridians. Außerdem müsse die Blockierung des Knies langsam gelöst werden.

Bei der ersten Behandlung spürte ich die starke Verkrampfung bis in den hohen Rückenbereich, die durch die Schmerzen im Knie beim Gehen im Laufe der Zeit entstanden waren, überaus deutlich. Sie waren mir vorher gar nicht mehr bewusst gewesen. Als ich merkte, wie wohltuend und Körper- sowie Psyche-unterstützend die Behandlung ist, liefen Tränen der Erleichterung und ich fragte mich, warum ich damit so lange gewartet habe. Nun, es war eine Frage des Bewusstseins, bis ich soweit war in Anspruch zu nehmen, was genau für mich passt.

(Akupunktur, Foto von pixabay)

Der junge Herr Yu (spricht sich „Ü“) machte mich außerdem bald darauf aufmerksam, dass man in der Schweiz per Zusatzversicherung die entstehenden Kosten abdecken könne und gab mir Tipps dazu. Bisher hatte ich gedacht, das ist ein zusätzlicher hoher Kostenfaktor, den ich gar nicht erst eingehen wollte. Und ich hatte geglaubt, dass wenn ich bei der Grundversicherung die höchstmögliche Franchise gewählt hatte, dies auch für eine Zusatzversicherung gelte. Da klärte er mich auf, dass das eine mit dem anderen diesbezüglich nichts zu tun hat und in der Zusatzversicherung von Anfang an die Kosten übernommen werden, sofern man einen von der Versicherung anerkannten Therapeuten aufsucht. Da so eine Versicherung immer zu Jahresbeginn abgeschlossen werden kann, war der Zeitpunkt gerade passend.

Die erste Versicherung, die bei der ich die Grundversicherung laufen habe, lehnte mich zur Aufnahme in die Zusatzversicherung nach einer „Gesundheitsprüfung“ (Fragen, die ich wahrheitsgemäß beantwortete) ab.
Eine zweite Versicherung (die Zusatzversicherung kann bei einer x-beliebigen Gesellschaft abgeschlossen werden und muss nicht zwingend bei der gleichen laufen, bei der man grundversichert ist) verlangte auch eine genaue Gesundheitsprüfung per Fragen über ärztliche Konsultationen, OPs und gesundheitlichen Problemen in den letzten Jahren und fragte schließlich bei dem Arzt rück, wo ich wegen der Schulter gewesen war. Dann hieß es, „dass die vollständige Beurteilung erst nach Beendigung Ihrer Behandlung des Knies durchgeführt werden kann.“ Ich sollte mich melden, wenn es soweit ist.

Bereits nach der ersten Sitzung in der TCM-Praxis ging ich nachher viel leichter und befreiter. Nach drei Sitzungen konnte ich wieder nahezu schmerzfrei laufen. Anfang Januar hatte ich die letzte selbst bezahlte Sitzung und begann mit dem Tai Chi Kurs. Ich hoffte, dass mich auch das bezüglich des Knies weiter bringt und mich vielleicht unabhängig macht von weiteren TCM Sitzungen.

Die Zusatzversicherung nahm mich mit einer monatlichen Beitragszahlung von 66.65 Fr. auf. Sie übernehmen dabei insgesamt ca. 90% der entstehenden Kosten, bis zu 4000.- Fr. pro Jahr. Dabei muss ich nicht vorher zu einem Arzt, der die alternative Heilmethode verschreibt. Ich kann selbstständig eine aus der Liste der Versicherung aussuchen und in Anspruch nehmen.

Der Tai Chi Kurs (Traditionelles Tai Chi) war für 10 mal bezahlt, nach dem 4. Mal ging ich aber nicht mehr hin. Ich war an meine Grenzen gekommen. Die Leiterin sprach nicht gut Deutsch und verlangte aus meiner Perspektive zu viel. Ich übte zwar auch daheim und kam langsam in die neue Bewegungsform rein, die mir auch für das Knie sehr gut tat, aber ich fühlte mich zunehmend überfordert von ihrer Art zu erklären und dann zu erwarten. Ich konnte nicht Schritt halten.

Dann begannen die ersten Heuschnupfen-Symptome des Frühlings und ich machte weitere TCM-Termine aus, die von der Zusatzversicherung übernommen wurden. Sie halfen mir auch bei Hitzewallungen und dann aufgetretenen Beschwerden an der linken Hüfte.

Inzwischen war unser Umzug in Vorbereitung, ich brauchte alle verfügbaren Kräfte und war innerlich in Aufruhr, wie alles werden würde.

Radfahren und Schwimmen hatte ich wegen des Knies aufgehört und mich noch nicht getraut wieder aufzunehmen, weil es nachher immer jammerte.

Mit Unterbrechungen hatte ich dann das ganze Jahr bis vor dem Urlaub im September immer wieder TCM-Sitzungen, bei denen ich nachher oft eine Schale Grünen Tees angeboten bekam.

Einmal hab ich nach der Sitzung beim Ankleiden ein Foto der Vögelchen gemacht, die fröhlich das ausstrahlten, wie ich mich fühlte: Leicht und befreit.

Als ich nach zwei Wochen Urlaub im September immer noch Probleme mit der Hüfte hatte, nahm ich Vitamin D ein und es ging mir zusehends von Tag zu Tag besser. Ab da ging ich nicht mehr zum TCM und momentan fühle ich mich – meinem Alter entsprechend – gesund und vital. Ich schwimme wieder wöchentlich und hatte in der noch warmen Jahreszeit auch wieder mit dem Radfahren angefangen, ohne dass mein Knie dadurch verschlechtert worden wäre. Mit der Einnahme von Vitamin D hab ich inzwischen wieder aufgehört, aber ich ernähre mich seit dem Zusammenzug mit meinem Mann wieder sehr abwechslungsreich und nicht mehr vegetarisch, auch wenn ich nach wie vor vegetarische Tage als Entlastung schätze.

Da ich dieses Jahr nicht im Krankenhaus war, fällt die Zusatzversicherungs-Prämie ab 2020 auf 53.30 Fr. monatlich. Und ich bin guten Mutes, weil ich mir jederzeit wieder Hilfe dazu holen kann, wenn ich es wieder möchte.

Ich schätze die Traditionelle Chinesische Medizin wegen ihrer ganzheitlichen Sichtweise auf die Entstehung von Krankheiten sehr. Die Behandlung ist unterstützend und natürlich; kein Einwurf von chemischen Stoffen, die lediglich Symptome regulieren sollen wie in der westlichen Schulmedizin und oftmals in ihrer Kombination neue Beschwerden hervorrufen, weil das Zusammenwirken weder erprobt noch ihre Wirkung ausreichend bekannt ist oder berücksichtigt wird. Aus meiner Wahrnehmung macht die Schulmedizin manchmal erst neue Krankheiten, ohne die bestehenden zu heilen (versucht lediglich Symptome zu unterdrücken, heilt aber nicht die Ursache), während mich die TCM unterstützt wieder in ein natürliches Gleichgewicht und einen gesunden Zustand zurück zu finden.