1. Es ist eine besondere Zeit für mich.

Mein Vater liegt im Krankenhaus und es ist unklar, wie lange er noch leben wird.
Mein Bruder erstattet mir jeweils Bericht, nachdem er seit etwa 30 Jahren nicht mit mir gesprochen hat. Das tun Zeugen Jehovas nun mal mit Ausgeschlossenen nicht, auch wenn es nahe Familienangehörige sind. Es sei denn, es geht um wichtige Familienangelegenheiten; dafür wird eine Ausnahme gemacht.

Mein Bruder wurde von den Eltern offiziell damit beauftragt sich zum alles zu kümmern, wenn sie es selbst nicht mehr können. Auch wegen der Religion und damit einhergehend ihrem Vertrauen, dass so alles in ihrem Sinne geschieht, wie z.B. die Berücksichtigung der Blutfrage.

Seltsam ist, dass mein Bruder zunächst davon auszugehen schien, dass ich immer noch die bin, mit der er vor 30 Jahren zuletzt gesprochen hat. Aber er lernt immerhin schnell und merkt, dass die Dinge nicht sind wie damals. Leider muss ich damit rechnen, dass – sobald der Vater gestorben ist und die Mutter nicht in einem kritischen Zustand ist – mein Bruder mich wieder nicht mehr kennt und zurück fällt ins Schweigen, mit dem signalisiert werden soll: DU bist auf dem Holzweg. Wir haben die Wahrheit.

Es ist schwierig mich davor zu schützen wie es sich anfühlen wird, ohne mich dabei zu verbiegen. Denn ich merke, dass ich ihn gern habe, ihm nichts mehr nachtrage und merke, dass er seine Sache recht gut zu machen scheint. Also bin ich offen und versuche gleichzeitig, mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, damit der Aufprall nachher hoffentlich nicht so heftig wird.

Für den Vater selbst wünsche ich mir, dass er bald einschlafen kann. Die Beziehung zwischen uns war u.a. durch die Glaubensfrage nicht, wie sie zwischen Vater und Tochter sein könnte und es geht drum, wann es vollbracht ist.

Die Sache wühlt aber durchaus Gefühle auf, mit denen ich jetzt bewusst umzugehen habe.

2. Heute Abend haben wir einen Film geschaut, bis uns der Lärm von draußen den Ton nicht mehr recht hören ließ. Da wir den Film ohnehin aufgenommen haben, wird ein anderes Mal weiter geschaut. Ich sah aus dem Fenster und da ging gerade der Mond auf, wunderschön und eindrucksvoll.

Am Montag Abend um kurz vor 18 Uhr wird er exakt voll sein.

3. Heute vor ganz genau 8 Jahren kam ich in die Schweiz. Es ist Nationalfeiertag, die Schweiz feiert sich.

Es hat gerade ein wenig geregnet und damit auch ein wenig abgekühlt, so wird die Nacht wohl ganz angenehm verlaufen.

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Ich wünsche euch einen friedlichen und entspannten Sonntag!