Eine Freundin, mit der ich eine Weile keinen Kontakt gehabt hatte, auch weil ihr Schwiegervater im Sterben lag und sie jeden Tag bei ihm waren, teilte mir heute mit, dass er vor zwei Wochen gestorben ist und sie erwähnte ein paar Details.

Die Schwiegermutter möchte die Urne noch bei sich haben, es ist ein Herz aus wohlriechendem Holz. Als ich das las, sah ich sofort so ein Herz wie oben im Titelbild vor mir und fand es eine wunderschöne Vorstellung. Den Liebsten im Tod auf diese Weise noch bei sich haben zu können, solange man möchte…

Wenn der Zeitpunkt stimmig ist, wollen sie das Herz der Erde zurück geben. Das empfinde ich als ganz liebevollen und zartfühlenden Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen.

Als ich im Netz nachschaute, wie solche Holzurnen in Herzform tatsächlich aussehen, fand ich die oben gezeigte auf dieser Seite. Und freute mich, dass es tatsächlich genau so eine gibt.

In Gedanken hab ich mir so ein wohlriechendes Holzherz unter den Arm geklemmt und an mich gedrückt. Das müsste vielleicht ein wenig tröstlich sein, stelle ich mir vor… Aber was weiß ich schon, die noch nie den Tod eines geliebten, wirklich emotional nahestehenden Menschen miterlebte.

Dass in der Schweiz andere Bestattungsregeln gelten als in Deutschland, darüber bin ich froh. Zumindest in der Zeit, als ich in München die Hospizhelfer-Ausbildung machte, war das Gesetz so, dass man eine Urne bestatten muss und nicht mit nach Hause nehmen darf. Ich habe mich damals innerlich darüber aufgeregt, wie feste und starre Regeln, deren Sinn nicht nachzuvollziehen ist, sogar beim Thema Tod darüber bestimmen, wie wir trauern dürfen und wie nicht und wozu wir in so einer Situation – mit finanziellen Folgen – gezwungen werden.

Erst heute Morgen sagte ich mir: Marion, sei dankbar für die Vorzüge, die du in deinem Leben hast, WEIL du in der Schweiz lebst. Und lass mal langsam die innere Trennung fahren, dass du nicht hierher gehörst. Denn das ist tatsächlich immer mal wieder in mir stark vorhanden. Die Identifzierung mit Deutschland als meinem Heimatland und die innere Ablehnung des Landes, in dem ich lebe. Das eine wie das andere ist unnötig. Es gibt hier und dort Vorzüge und Nachteile. Ich möchte die Vorzüge dankbar annehmen, ohne mich von dem Land zu entfremden, in dem ich geboren wurde.